V I G I L A R E

Fratres: Sóbrii estóte, et vigiláte (Pt 1 – 5,8)

Grüß Gott!

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Geschrieben von conservare

18/01/2010 um 12:41

Veröffentlicht in Anfang

Von den verschiedenen Regungen der Natur und der Gnade

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Von den verschiedenen Regungen der Natur und der Gnade

aus: Die Nachfolge Christi

(Der Herr:) Mein Sohn, merke genau auf die Regungen der Natur und der Gnade. Sie sind sehr
gegensätzlich und so leise, daß sie nur von einem geistlichen und erleuchteten Manne auseinander
gehalten werden können.

Jeder sucht jeweils ein Gut. Was einer tut oder redet, er hat ein Gut im Auge, daher trügt der
Schein des Guten viele.

Die Natur ist verschlagen, sie lockt viele, verführt und überlistet sie und hat allemal sich selbst
zum Zweck.

Die Gnade lebt einfältig, sie meidet den Schein des Bösen und kennt keine Hinterlist. Sie handelt
rein um Gottes willen, ihr Ziel ruht in ihm.

Die Natur will nur ungern sterben und Not und Niederlagen nicht erleiden. Sie will weder untertan
sein noch sich freiwillig beugen.

Die Gnade übt sich in der Selbstabtötung, sie widersteht den Sinnen, sucht sich unterzuordnen
und zu besiegen, sie will ihre Freiheit nicht ausnützen, sie lebt gern in der Zucht und will nicht
über andere herrschen. Sie lebt, steht und west in Gott, sie beugt sich um Gottes willen demütig
und bereitwillig jedem Menschenwesen.

Die Natur arbeitet für ihren Vorteil, sie sucht aus dem anderen für sich Gewinn zu schlagen.

Die Gnade bedenkt nicht, was ihr nützlich und genehm ist, sondern was allen nützt.

Die Natur nimmt gern Ehren und Auszeichnungen entgegen.

Die Gnade überträgt getreulich auf Gott alle Ehre und Verherrlichung.

Die Natur fürchtet Schande und Hohn.

Die Gnade „freut sich der Schmach um Jesu willen“ (Apg 5, 41).

Die Natur liebt Müßiggang und Ruhe des Leibes.

Die Gnade kann nicht tatenlos sein, sie packt die Arbeit wacker an.

Die Natur wünscht sich rare und schöne Besitztümer, sie verwirft das Gewöhnliche und Billige.

Die Gnade freut sich an Einfachem und Geringem, sie lehnt das Harte nicht ab und schämt sich
nicht schäbiger Gewänder.

Die Natur kümmert sich um das Zeitliche, frohlockt über irdische Gewinne, Schaden bedrückt sie,
ein leichtes Unrecht der Zunge trifft sie schwer.

Die Gnade will das Ewige. Sie verliert sich nicht an das Zeitliche, sie lässt sich durch den Verlust
der Dinge nicht stören, durch harte Worte nicht verbittern. Sie hat ihren Schatz und ihre Freude im
Himmel begründet, wo ihr nichts verdirbt.

Die Natur ist süchtig, sie nimmt lieber, statt zu geben. Sie liebt nur sich.

Die Gnade ist gütig und gemeinsinnig, sie meidet alles Besondere, begnügt sich mit Wenigem und
„achtet Geben seliger denn Nehmen“ (Apg 20, 35).

Die Natur neigt zu den Geschöpfen, zu Fleisch und Blut, zu Eitelkeit und Zerstreuung.

Die Gnade zielt auf Gott und die Tugend, sie verzichtet auf Geschöpfe, flieht die Welt, hasst das
Begehren des Blutes, entsagt dem Vergnügen und scheut das öffentliche Auftreten.

Die Natur liebt äußeren Trost, die Freuden der Sinne.

Die Gnade sucht allein in Gott ihren Trost, sie frohlockt im höchsten Gut über allem Irdischen.

Die Natur tut alles für Gewinn und Vorteil, sie kann nichts umsonst tun, sie erhofft sich
Gleichwertiges oder Besseres, Lob oder Gunst für ihre Guttaten. Sie will ihre Taten und Geschenke
wohl gewertet sehen.

Die Gnade fordert nichts Zeitliches, sie sucht keinen Lohn denn Gott allein, sie wünscht nur so viel
an zeitlicher Notdurft, als ihr zur Erlangung der ewigen Güter nottut.

Die Natur freut sich der vielen Freunde und Verwandten, sie rühmt sich des hohen Standes und
der vornehmen Abkunft, sie lächelt mit den Mächtigen, schmeichelt den Reichen und lobt
ihresgleichen.

Die Gnade liebt auch die Feinde, sie brüstet sich nicht ob ihrer vielen Freunde, sie sieht nicht auf
Rang und Ruhm der Geburt, es sei denn dort die höhere Tugend.
Sie hält es mehr mit dem Armen als mit dem Reichen, sie leidet lieber mit dem Unschuldigen als
mit dem Mächtigen, sie freut sich mit dem Wahrhaftigen und nicht mit dem Betrüger.
Sie ermuntert die Guten, „zu höheren Gaben zu gelangen“ (1 Kor 12,31) und dem Sohne Gottes
an Tugend ähnlich zu werden.

Die Natur bezieht alles auf sich, sie kämpft und rechtet nur für sich selbst.

Die Gnade bezieht alles auf Gott, von dem jedes Ding ursprünglich kommt. Sie schreibt sich nichts
Gutes zu und maßt sich nichts an, sie zankt nicht und überwertet ihr eigenes Urteil nicht vor dem
der anderen, sie unterstellt sich vielmehr in allem Denken und Empfinden der ewigen Weisheit und
dem göttlichen Urteil.

Die Natur ist neugierig auf Geheimnisse und Neuigkeiten. Sie tritt gern öffentlich auf und hascht
nach sinnlichen Erlebnissen, sie will anerkannt sein und nur tun, was Lob und Bewunderung
einbringt.

Die Gnade bekümmert sich nicht um Neues und Außerordentliches. Dieses rührt ja alles von der
alten Verderbnis her; denn auf Erden gibt es nichts Neues und nichts von Bestand.

Die Gnade lehrt die Sinne bezähmen, das eitle Gefallen und Zurschaustellen vermeiden, das Lob-
und Verehrungswürdige demütig verheimlichen und in allen Dingen und Wissenschaften allein die
Frucht des Heiles und Gottes Lob und Ehre suchen.
Sie will nicht sich und das Ihre gepriesen sehen, sondern Gottes Ehre in seinen Gaben. Denn er
schenkt alles aus reiner Güte.

Diese Gnade ist übernatürliches Licht und eine besondere Gabe Gottes, das eigentliche Zeichen
seiner Auserwählten und Pfand des ewigen Lebens. Sie erhebt den Menschen von der Erde zur
Liebe des Himmlischen und schafft den Fleischesmenschen zum geistlichen um.
Je mehr die Natur beengt und überwunden wird, desto reicher strömt die Gnade. Täglich wird der
innere Mensch durch neue Heimsuchungen zu Gottes Ebenbild umgeformt.

Regeln zur Unterscheidung der Geister nach Scaramelli

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Wilhelm Schamoni:

Regeln zur Unterscheidung der Geister
Nach Johannes-Baptist Scaramelli

(aus: Theologisches, Nr. 3 Juli 1970, Sp. 43-45)

Man liest heute oft, wir hätten in dieser Zeit der Unruhe und der Verwirrung nichts so notwendig
wie die Gabe der Unterscheidung der Geister. Aber von Grundsätzen, die helfen könnten, das, was
im eigenen Herzen und bei anderen sich abspielt, zu diagnostizieren, vernimmt man wenig.
Zerstreut in der aszetischen Literatur aller Jahrhunderte sind solche Grundsätze zu finden. Als
klassisch gilt Kapitel 54 des 3. Buches der „Nachfolge Christi“ über „die Unterscheidung zwischen
den Regungen der Natur und den Anregungen der Gnade“. Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der
Selbstliebe des „homo incurvatus in se“ (Hl. Bernhard), des sich selbst suchenden, sich selbst zum
Mittelpunkt habenden Menschen, und mit seinen Selbsttäuschungen. Berühmter noch sind die
„Regeln zur Unterscheidung der Geister“, wie sie der hl. Ignatius von Loyola nach eigenen
Erfahrungen und Beobachtungen in seinem Exerzitienbüchlein aufgestellt hat und die man leicht in
den zahlreichen Ausgaben und Übersetzungen dieses Büchleins nachlesen kann. Wenn man
bedenkt, was die Hl. Schrift über den großen Einfluß des Teufels lehrt, versteht man, daß die
Entscheidung, zu der die Exerzitien im Sinne des hl. Ignatius hinführen wollen, vermutlich auch in
einer besonderen Weise vom Teufel bekämpft wird, wie es Ignatius dort lehrt. Ihr Ziel ist ja doch
die restlose Auslieferung des ganzen Menschen an Gott, der dann aus ihm ein qualifiziertes
Werkzeug für das Heil vieler macht. Dabei bleibt es wahr, daß die Unterscheidung, ob etwas aus
unserer erbsündlich angeschlagenen Natur oder vom Teufel stammt, oft nicht getroffen werden
kann. Darum sprechen auch die Lehrer des geistlichen Lebens gewöhnlich einfach vom bösen
Feind, verstehen aber darunter sowohl den Teufel wie auch alles, was aus der ungeordneten
menschlichen Natur stammt. Sie unterscheiden hier umso weniger, einmal, weil diese
Unterscheidung eine in sich selbst schwierige ist, dann aber vor allem, weil es für das praktische
Verhalten auf sie gar nicht ankommt. Denn ob die Versuchung aus uns selbst stammt oder vom
Teufel: das, was der Versuchte zu tun hat, ist doch immer ein und dasselbe. Dieses, daß wenn
vom bösen Geist in einer vereinfachenden Weise gesprochen wird, gewöhnlich auch die aus dem
Menschen selbst stammenden Versuchungen mitgemeint sind, muß man sich beim Lesen der
Exzerpte vor Augen halten, die im folgenden aus dem dritten klassischen Text, dem ausführlichen
Werke von Joh.-B. Scaramelli SJ. (1687-1752), gebracht werden. Von diesem Werke Scaramellis
„Unterscheidung der Geister“ heißt es im Dictionnaire de Spiritualite III, 1278, daß es durch seine
zahlreichen italienischen Ausgaben und seine vielen Übersetzungen Weltruf erlangt habe, daß
insbesondere die Kapitel über die Kennzeichen des guten und bösen Geistes die vollständigste und
klarste Zusammenstellung seien, die es hierüber gebe. Eine deutsche Übersetzung dieses Buches
ist 1861 bei Manz in Regensburg erschienen, dort 1888 eine zweite, von P. Bernhard Maria
Lierheimer OSB gänzlich umgearbeitete Auflage (8°, VIII u. 316 S.), von der 1904 ein
unveränderter und seitengleicher Neudruck erschienen ist. Die Auszüge werden gebracht aus den
Kapiteln 6-9 (S. 59-136) über die Merkmale des göttlichen Geistes hinsichtlich der Regungen und
Akte sowohl unseres Verstandes wie unseres Willens, und über die entgegengesetzten
Kennzeichen des teuflischen Geistes beim Erkennen und beim Wollen.

Geschrieben von conservare

18/01/2010 um 11:10

1. Merkmale des göttlichen Geistes unseres Verstandes

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I. MERKMALE DES GÖTTLICHEN GEISTES
HINSICHTLICH DER REGUNGEN UND AKTE UNSERES VERSTANDES

Vorauszuschicken ist hier und auch für die später zu erklärenden Merkmale, daß niemals ein
einzelnes Merkmal genügt, um den eigenen Geist oder den eines anderen richtig zu beurteilen, es
müssen stets mehrere zusammentreffen. Darum ist auch ein einzelnes schlimmes Merkmal noch
kein hinreichender Grund zu einem negativen Urteil.

1. Merkmal des göttlichen Geistes hinsichtlich der Kenntnisse des Verstandes: Der göttliche Geist
lehrt immer das Wahre und kann uns nie in Irrtum führen. Denn Jesus Christus nennt ihn selbst
den Geist der Wahrheit (Jo 14,26; 16,13). Daraus folgt, daß sowohl jeder gewöhnliche Gedanke
wie auch jede außerordentliche Offenbarung, die der Hl. Schrift, einer Entscheidung der Konzilien
und dem Glauben der katholischen Kirche widersprechen, nicht von Gott eingegeben sein können.

2. Merkmal: Der göttliche Geist teilt unserm Verstand nie nutzlose und unfruchtbare, eitle und
ungehörige Dinge mit. „Was soll die Spreu bei dem Weizen, spricht der Herr. Sind meine Worte
nicht wie Feuer und wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert? “ (Jer 23;28 f.) Gottes Worte sind
von großem Gewicht und Nutzen. Wenn eine Seele in ihren Gebeten mit Kenntnissen gespeist
wird, die weder eigenen noch fremden Seelen nutzen bezwecken, so kommen diese nicht von
Gott, der nicht zwecklos handelt.

3. Merkmal: Der göttliche Verstand bringt immer unserm Verstande Licht. „Gott ist Licht, und in
ihm ist keine Finsternis“ (1 Jo 1,5). Man denke an das, was bei Jo über Jesus als das Licht der
Welt steht: 1;9; 3,19; 8,12; 9,5; 12,36. – „Freilich läßt Gott manchmal ihm sehr liebe und teure
Seelen in tiefe Finsternis geraten und zwar oft für eine geraume Zeit; eine solche Finsternis trifft
aber nur die Einbildungskraft, der sich das Licht nicht mitteilt, das ganz auf den Verstand
beschränkt ist; und obwohl dieses Licht bisweilen so geistig und rein ist, daß selbst jene, die es
besitzen, es nicht erkennen, so hört es doch nicht auf, den Verstand zu regeln und auf Gott zu
richten. In der Tat zeigt die Erfahrung, daß es sich so verhält; denn jene Seelen, obwohl in tiefe
Finsternis versenkt, fahren doch wie früher fort, vollkommen zu leben, weil sie ohne Zweifel vom
göttlichen Licht geleitet werden. Auf diese Weise kann der Führer erkennen, ob die
Verstandestätigkeit seines Schülers von Gott angeregt wird; denn wenn er wahrnimmt, daß dessen
Denken und Streben gut und heilig ist, dann kann er mit Fug und Recht annehmen, daß hier der
Vater des Lichtes herrscht.“

4. Merkmal: Der göttliche Geist macht den Verstand gelehrig, weich, biegsam und geneigt zur
Annahme der Absichten anderer, die den eigenen des Menschen widerstreiten, besonders wenn es
sich um Absichten von Vorgesetzten handelt. „Gott, der Herr, eröffnete mir das Ohr, und ich
widerstrebe nicht, weiche nicht zurück“ (Js 50,5). Kaum war in die Seele des Saulus ein Strahl des
göttlichen Lichtes gedrungen, da ergab er sich Christus und fragte: „Herr, was willst Du, was ich
tun soll?“ (Apg 9,6).

5. Merkmal: Der göttliche Geist macht unsern Verstand klug. Er führt zu einem richtigen Urteil
über die Erlaubtheit oder Unerlaubtheit einer Handlung, über die Umstände, die sie erstrebenswert
machen oder nicht, über die Mittel, die zu gebrauchen sind, über die besonderen Verhältnisse der
Personen, die zu berücksichtigen sind, deren Alter etwa, Stand, Beruf, Gesundheit.

6. Merkmal: „Der göttliche Geist gießt der Seele immer Gedanken der Demut und Niedrigkeit ein.
Es ist wahr, daß Gott mit seinem Lichte unsern Verstand adelt und ihn zu Kenntnissen erhebt, die
über seine Natur erhaben sind, mitunter sogar auf außerordentliche Weise. Doch gleichzeitig gibt
er demütige Gedanken ein, damit die Seele ihr Nichts, ihre Niedrigkeit und Armseligkeit erkennt
und einsieht, daß sie diese lichtvollen Kenntnisse nicht von sich selber hat und sich deshalb mitten
in der Erhebung tief erniedrigt.“ Und je außerordentlicher die göttlichen Erkenntnisse und
Mitteilungen sind, als umso unwürdiger erfährt sich der Mensch.

2. Merkmale des bösen Geistes unseres Verstandes

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II. DIE MERKMALE DES BÖSEN GEISTES
BEI DEN REGUNGEN UND AKTEN UNSERES VERSTANDES

Scaramelli knüpft an ein Wort des hl. Augustinus an: Als das Blut der Martyrer floß, habe der
Teufel gewütet wie ein wilder Löwe, als die Irrlehren sich verbreiteten, habe er versteckt
angegriffen wie eine schleichende Schlange.

Das erste Kennzeichen des teuflischen Geistes: Der Vater der Lüge sucht uns immer einen Irrtum
einzureden, bald offen, bald versteckt. Offen, wenn er uns etwas in den Kopf setzt, das dem
Glauben oder der allgemeinen Ansicht der heiligen Lehrer widerstreitet, wenn er uns Grundsätze
einflößt, die mit der Größe der Barmherzigkeit Gottes und der Vorsehung Gottes nicht vereinbar
sind, wenn er in uns Gedanken erweckt, die mit der christlichen Moral nicht übereinstimmen oder
unbegründeten Verdacht gegen den Nächsten erweckt, um in uns heftige Leidenschaften zu
entzünden. Verdeckt greift er an, wenn er, sich in einen Engel des Lichts verkleidend, uns
manches Wahre und Heilige gemäß der Wahrheit des Glaubens und der christlichen Moral sagt,
aber unter das viele Gute Falsches mischt und so die nicht genug betenden Unwachsamen in die
Irre führt.

2. Merkmal: Wenn der teuflische Geist mit Lug und Trug nichts ausrichtet, gibt er nutzlose, eitle
und unpassende Dinge ein, um das Gute zu hintertreiben.

3. Merkmal: Der teuflische Geist erzeugt im Verstande Finsternis oder ein falsches Licht. Er erzeugt
auf dem Wege über aufgeputschte Fantasievorstellungen in unserm Verstande Dunkel,
Verwirrung, Finsternis, Aufregung, Angst, Ausweglosigkeit, Hoffnungslosigkeit, oder er entfacht ein
trügerisches Licht, unter dem man die Dinge falsch sieht und das in Unruhe und Verwirrung stürzt.

4. Merkmal: Der teuflische Geist ist trotzig und widerspenstig. Scaramelli wendet auf jene, „die
sich weder dem Ansehen der Heiligen Schrift noch der Autorität der römischen Päpste noch der
Unfehlbarkeit der Konzilien noch der Lehre der heiligen Väter unterwerfen, sondern hartnäckig auf
ihren törichten Meinungen verharren“, das Wort Christi an: „Warum versteht ihr meine Rede nicht?
Weil ihr mein Wort nicht hören könnt. Ihr habt den Teufel zum Vater“ (Jo 8,43).

5. Merkmal: Der böse Geist treibt zum Übermaß im Guten an. Diese Übertreibung berücksichtigt
weder das gehörige Maß, noch die erforderliche Zeit, noch den passenden Ort, noch die
Beschaffenheit der Personen, ihr Geschlecht, Alter, ihre gesundheitlichen Verhältnisse, und richtet
sich oft gegen ihre Standes- und Berufspflichten.

6. Merkmal: Der böse Geist flößt immer eitle und stolze Gedanken ein, auch mitten in
tugendhaften und heiligen Handlungen, Gedanken der Selbstachtung, des Vorzuges vor anderen
und der Verachtung des Nächsten. Darum ist zu prüfen, ob menschliches Lob und Prahlerei sich in
unser Verhalten beimischen und ob Leichtsinn und Eitelkeit uns antreiben. Wer daher bei allem,
was er unternimmt, dazu von der Eitelkeit getrieben wird, ist sicher vom bösen Geist gelenkt.
Jedoch ist wohl zu beachten, ob die Eitelkeit zugleich mit den Gedanken entsteht, gleich als ob sie
mit ihnen verwachsen wäre, oder ob sie nachher gleichsam wie etwas Fremdes von außen
hinzukommt. Es kann nämlich der Feind kommen und sein Unkraut säen unter den Weizen Gottes
(vgl. Mt 13,25). Dadurch wird das Gute nicht ohne weiteres schlecht.
Was hier von der Eitelkeit gesagt ist, gilt allgemein. Immer ist darauf zu achten, ob der böse Geist
bereits mit den Antrieben zum Guten verbunden ist, oder ob er erst später hinzutritt, um sie zu
verderben. Und wenn die Seele seine Anregungen mit Abscheu empfängt und mit Ekel
zurückweist, so ist dies ein klares Zeichen, daß ein guter Geist sie leitet.

3. Merkmale des göttlichen Geistes

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MERKMALE DES GÖTTLICHEN GEISTES
IN BEZUG AUF DIE BEWEGUNGEN UND AKTE DES WILLENS

(aus: Theologisches, Nr. 4 August 1970, Sp. 57-60)

Wenn es schon wichtig ist, zu wissen, von welchem Prinzip die Kenntnisse des Verstandes
ausgehen, ob vom guten oder vom bösen Geiste, so ist es doch noch ungleich notwendiger, richtig
zu unterscheiden, welcher Geist hinter den Willensakten steht. Alles wirklich Gute und alles
wirklich Böse hängt ja ab vom Willen. Denn die Verstandesakte, die aus sich selbst nur entweder
wahr oder falsch sind, werden durch den Willen erst gut oder böse.

Das erste Merkmal des göttlichen Geistes bezüglich der Willensakte ist der Friede, den Gott
mitteilt, wenn er den Willen bewegt. Dieser ist eines der eigentümlichsten Kennzeichen des
göttlichen Geistes. Gott wird ja selbst in der Heiligen Schrift gleichsam mit seinem eigenen Namen
der Gott des Friedens genannt: „Der Gott des Friedens sei mit euch allen“ (Röm 15,33), und:
„Dieses tut, und der Gott des Friedens wird mit euch sein“ (Phil 4,9). Und wenn Jesus Christus
sagt (Jo 14,27): „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“, so meint er jenen
inneren und wahren Frieden, der allein ihm eigen ist, und nicht jenen trügerischen, den die Welt
schenkt. Immer wieder wünscht der Völkerapostel den Empfängern seiner Briefe Gnade und
Friede. Und wo er von den kostbaren Früchten spricht, mit denen der Geist des Herrn reine Seelen
bereichert, sagt er ausdrücklich, daß eine derselben der Friede ist: „Die Frucht des Geistes ist
Liebe, Freude, Friede“ (Gal 5,22). Prüft also z. B. ein Beichtvater eine von Gott bevorzugte Seele
und findet er, daß ihr, wenn sie etwas besonderes in ihrem Gebet empfangen hat, ein innerlicher,
wahrer und beständiger Friede eingeprägt bleibt, so kann er sicher daraus schließen, daß jener
Herr sie heimgesucht hat, der den Aposteln, als er ihnen nach seiner Auferstehung erschien, den
Frieden gebracht hat: „Der Friede sei mit euch!“ (Jo 20,19.21.26).

Das zweite Merkmal ist eine aufrichtige und ungekünstelte Demut. Gott selbst hat es
ausgesprochen, daß er mit den Augen seiner Liebe alle jene ansehe, die arm und demütig von
Herzen und voll heiliger und kindlicher Furcht sind, „Auf wen werde ich schauen, wenn nicht auf
den Armen und im Geiste Gebeugten und auf den, welcher zittert vor meinen Worten“ (Js 66,2).
Und: „Denn also spricht der Hohe und Erhabene, der ewig Thronende, dessen Name heilig ist, der
in der Höhe und in dem Heiligtume wohnt und bei dem, der zerknirschten und demütigen Geistes
ist, um zu beleben den Geist der Demütigen, um zu beleben das Herz der Zerknirschten“
(Js 57,15). Der göttliche Heiland selbst versichert uns, daß sein ewiger Vater seine Geheimnisse
nur denen offenbart, die Kinder werden, sich verdemütigen und allen sich unterwerfen: „Ich preise
dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dieses vor den Weisen und Klugen verborgen,
den Kleinen aber geoffenbart hast“ (Mt 11,25).
Die hl. Theresia von Jesus erklärt (Leben, Kap. 22, n. 11):
„Was ich erkannt und verstanden habe, ist, daß dies ganze Gebäude des Gebetes auf Demut
gegründet ist; und daß, je mehr eine Seele im Gebete sich vor Gott erniedrigt, sie dafür umso
höher von Gott erhoben wird. Ich weiß mich nicht zu erinnern, daß mir Gott unter den besonderen
Gnaden, von denen ich später reden werde, auch nur eine erwiesen hätte, außer wenn ich mich
zuvor in Anbetracht meiner großen Armseligkeit zutiefst erniedrigte und verdemütigte. Und um mir
meine Selbsterkenntnis zu erleichtern, ließ mich die göttliche Majestät manche Dinge verstehen,
von denen ich sonst gar keine Vorstellung gehabt haben würde.“
Gewiß also gibt es kein deutlicheres und sichereres Merkmal des göttlichen Geistes als eine wahre
Demut, wodurch die Seele sich der göttlichen Gunstbezeigungen unwürdig erachtet, und wenn sie
solche nicht hat, nicht danach begehrt; wenn sie dieselben empfängt, sich aber beschämt fühlt,
sich verwundert, wie Gott ihr solche erteilen könne, darüber in Furcht gerät, sie zu verbergen
sucht und bloß ihrem Seelenführer offenbart aus Angst, es könnten nur Täuschungen sein.

Das dritte Merkmal ist ein festes Vertrauen auf Gott, gegründet auf einer heiligen Furcht vor sich
selber. Wie sehr das Gottvertrauen dem guten Geiste eigen ist, ergibt sich klar daraus, daß Gott
davon die Kraft und die Wirksamkeit aller unserer Gebete abhängig macht. „Alles, um was ihr im
Gebete gläubig bitten werdet, das werdet ihr erhalten“ (Mt 21,22). „Wenn du glauben kannst:
alles ist dem Glaubenden möglich“ (Mt 17,19). Wie oft hat nicht Jesus ein großes Vertrauen mit
einem Wunder belohnt! Man denke an seine Antworten, z. B. Mt 8,10.13; 9,2.22.29; 15,28;
Mk 10,52.
Dieses Gottvertrauen muß aber immer mit einer heiligen Furcht vor sich selbst verbunden sein,
sonst wäre es nicht recht, sondern eitel, wenn nicht gar vermessen. Auch die Sünder vertrauen auf
Gott und sagen töricht bei sich selber: „Gott ist gut und barmherzig, wir brauchen uns vor’ ihm
nicht zu fürchten, Gott will von uns nicht gefürchtet, sondern geliebt werden.“ Dies ist jenes
törichte Vertrauen, von dem der Weise in den Sprichwörtern sagt: „Der Tor läßt sich gehen und ist
vermessen“ (Spr 14,16). Das heilige Vertrauen haben nur jene, welche, während sie auf Gott
hoffen, Furcht vor sich selbst haben und ihren Kräften mißtrauen. Wenn sie ihre eigene
Schwachheit betrachten, befallt sie gerechte Furcht; erwägen sie die Güte Gottes und seine
Verheißungen, dann fassen sie großen Mut, und indem sie auf diese Weise ein lebendiges
Vertrauen mit heiliger Furcht innig verbinden, schreiten sie auf dem Wege der Vollkommenheit
sicher voran. Darum muß der geistliche Führer darauf achten, daß diese beiden Affekte, Mißtrauen
und Furcht vor sich selbst einerseits und Gottvertrauen andererseits, niemals voneinander getrennt
werden; denn Furcht ohne Hoffnung artet in Kleinmut aus, und Hoffnung ohne Furcht erzeugt
Vermessenheit und Dreistigkeit. Wo aber beide verbunden sind, führen sie die Seele sicher in den
Hafen der seligen Ewigkeit, und sie sind darum eines der schönsten Kennzeichen des göttlichen
Geistes.

Das vierte Merkmal ist ein biegsamer Wille. Ich sagte oben, daß ein gelehriger Verstand das
Zeichen eines guten Geistes sei. Hier füge ich den biegsamen Willen hinzu, weil es kein
genügendes Zeichen des rechten Geistes ist, sich gläubig zu unterwerfen, wenn nicht auch der
Wille bereit ist, nach den Lehren des Glaubens zu handeln. Diese Biegsamkeit des Willens besteht
zuerst in einer gewissen Bereitwilligkeit, den Einsprechungen und dem Rufe Gottes zu folgen,
worin eigentlich die Tugend der wahren Nachfolger Christi besteht, wie er selbst von ihnen erklärt:
„Sie werden alle gottesgelehrig sein“ (Jo 6,45). In dieser Beziehung schreibt der hl. Augustin:
„Wenn der Vater im Innern seine Stimme hören läßt und uns lehrt zum Sohne zu kommen, nimmt
er das Herz von Stein hinweg und gibt ein Herz von Fleisch, wie er es durch den Propheten
vorherverkünden ließ. So macht er die Kinder der Verheißung zu Gefäßen der Barmherzigkeit, die
er zur Herrlichkeit vorbereitet hat“ (De praed. Sanctorum, cap 8).
Die Biegsamkeit des Willens besteht in einer gewissen Leichtigkeit, die Räte anderer auszuführen
besonders wenn sie von Obern gegeben wurden, die Gottes Stelle vertreten und seine Person
darstellen. Der Grund hiervon ist offenbar. In der Heiligen Schrift befiehlt uns Gott, der Stimme
der Obern wie seiner eigenen zu gehorchen: „Wer euch hört, hört mich!“ (Lk 10,16). Er verlangt
diesen Gehorsam auch dann, wenn sie böses Beispiel geben: „Auf dem Stuhle Mosis sitzen die
Schriftgelehrten und Pharisäer; darum haltet und tut alles, was sie euch sagen, nach ihren Werken
aber sollt ihr nicht tun“ (Mt 23,1 f.). Da der Sohn Gottes diese Tugend selbst so sehr geliebt hat,
daß er gehorsam wurde bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze (Phil 2,8), so muß er eine
ähnliche Willigkeit auch denen einflößen, die er mit seinen heiligen Einsprechungen leitet.

Das fünfte Merkmal ist die gute Meinung bei allen Werken. Gott bewegt niemand und kann
niemand zu einer Handlung aus einer anderen Absicht bewegen, als zu seiner Ehre; denn „der
Herr“, spricht der Weise, „hat alles seinetwegen geschaffen“ (Spr 16,4). Überdies lehrt Christus
deutlich, daß alle unsere Handlungen so beschaffen sind, wie die Absicht ist, welche wir bei
unseren Ausführungen haben: „Wenn dein Auge (deine Absicht) klar ist, wird dein ganzer Leib
(dein Tun) Licht sein; wenn aber dein Auge schlecht geworden, wird dein ganzer Leib finster sein“
(Mt 6,22). Ein und dasselbe Werk verändert je nach der verschiedenen Absicht seine ganze Natur:
geschah es aus Eitelkeit, ist es weltlich; geschah es aus Lust, ist es sinnlich; geschah es aus
schlechten, verwerflichen Zwecken, ist es teuflisch; geschah es wegen Gott, ist es göttlich. Daraus
kann man abnehmen, daß eine Person, wenn sie beständig in allen ihren Handlungen nur Gott
sucht und nur ihm zu gefallen und ihn zu ehren begehrt, das Kennzeichen des göttlichen Geistes
auf der Stirne trägt.

Ein sechstes Merkmal ist die Geduld sowohl in Dingen, welche den Leib quälen, wie Leiden,
Schmerzen und Krankheiten, als in solchen, welche die Ehre verletzen, wie Verleumdungen,
Verfolgung und Verachtung, oder welche das Gemüt angreifen, wie beim Verluste unserer Habe,
unserer Eltern, Freunde oder einer uns sehr werten Sache. Ganz sicher ist die gelassene Ertragung
und noch viel mehr die Sehnsucht nach der Verähnlichung mit Christus durch solche Trübsale ein
ausgezeichnetes Kennzeichen eines guten Geistes nach dem Ausspruche des Apostels Jakobus:
„Die Geduld hat ein vollkommenes Werk“ (Jak 1,4) und nach dem Zeugnis des Hebräerbriefes
10,36: „Geduld ist euch notwendig, damit ihr mit der Vollziehung des Willens Gottes die
Verheißung davontragt.“ Die Geduld, vorausgesetzt, daß sie keine bloße Verheimlichung des
inneren Unwillens oder nur eine leere Scheintugend, sondern eine wahre, tief in der Seele
wurzelnde Tugend ist, kann nämlich unmöglich vom Geiste der Welt herrühren, der Ehren liebt
und Verachtung nicht ertragen kann; noch vom Geiste des Fleisches, der den Körper liebt und
nichts vom Leiden wissen will; noch vom bösen Geiste, der uns immer eine Anhänglichkeit an die
irdischen Güter einflößt und deswegen keine Verminderung derselben erträgt; noch endlich vom
menschlichen Geiste, der immer mit der Eigenliebe zusammenhängt (falls er nicht selber die
Eigenliebe ist), und daher gegen alles sich erhebt, was der Natur zuwider ist. Folglich kann sie nur
vom göttlichen Geiste ausgehen. Ebenso gelten als Merkmale des wahren und göttlichen Geistes
die Geduld, Ergebung und Gleichförmigkeit mit dem göttlichen Willen bei Trockenheit, innerer
Verlassenheit, Finsternis und in Versuchungen, auch die außerordentlichen miteingerechnet,
welche Gott bei manchen Seelen zuzulassen pflegt, die er zu hoher Vollkommenheit führen will.

Das siebente Merkmal ist die freiwillige innerliche Abtötung. Jesus selbst hat dieses gute Zeichen
des göttlichen Geistes gelehrt: „Wer mir nachfolgen will, verleugne sich selbst“ (Mt 16,24). „Das
Himmelreich leidet Gewalt, und die Gewalt brauchen, reißen es an sich“ (Mt 11,12). Und „wenn
das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, so bleibt es allein; wenn es aber stirbt, so bringt
es viele Frucht. Wer seine Seele liebt, verliert sie; wer aber seine Seele auf dieser Welt hintansetzt,
bewahrt sie zum ewigen Leben“ (Jo 12,24). Wenn der Mensch also Früchte des ewigen Lebens
hervorbringen will, muß er sich selbst verleugnen, dem Eigenwillen widerstreben und seine
Leidenschaften bekämpfen.

Das achte Merkmal ist die Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit und Einfalt, Tugenden, welche
miteinander Hand in Hand gehen. Gott ist die erste Wahrheit; daher kann er jenen Herzen, in
denen er Wohnung nimmt, nur den Geist der Wahrheit und Aufrichtigkeit einflößen. Er selbst
erklärt: „Mit dem Einfältigen spricht er vertraut“ (Spr 3,32), das heißt, er erleuchtet jene, welche
einfachen und geraden Herzens, ohne Falschheit, Verstellung und Hinterlist sind. Deswegen lassen
sich auch auf diese, die klein in den Augen der Welt, aber groß in den Augen Gottes sind, die
Worte des Herrn anwenden: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du
dieses den Weisen und Klugen verborgen, den Kleinen aber geoffenbart hast“ (Mt 11,25).

Das neunte Merkmal ist die Freiheit des Geistes. Dafür bedarf es keines Beweises; zu deutlich sagt
es der Weltapostel: „Wo aber der Geist des Herrn ist, dort ist Freiheit“ (2 Kor 3,17). Einige
verstehen unter dieser Geistesfreiheit eine gewisse Ungebundenheit des Gewissens, ein freies
willkürliches Handeln, das mit den Gesetzen der Vernunft und des Glaubens wenig
zusammenstimmt; doch täuschen sie sich, denn dieses wäre nicht Freiheit, sondern Zügellosigkeit
des Geistes. Zum Verständnis der Geistesfreiheit ist die Erkenntnis der Knechtschaft des Geistes
notwendig; denn sie ist eine Tugend, die man am besten aus ihrem Gegensatz erkennt.
Knechtschaft des Geistes ist aber nichts anderes als eine freiwillige Unterwerfung der Seele unter
ein Laster, von dem sich die Unglückselige beherrschen läßt. Die Freiheit des Geistes besteht in
der Freiheit von der Herrschaft der Laster, deren Sklaven jene sind, die sich von ihnen
beherrschen lassen. Doch muß bemerkt werden, daß diese Freiheit des Geistes keine unteilbare
Tugend ist, denn sie hat verschiedene Grade der Vollkommenheit.
Es kann einer frei sein von den Lastern, insofern er in ihre Reize nicht einwilligt, und diese Freiheit
geht nicht über den niedersten Grad hinaus.
Ein anderer kann von den Reizen der Laster und ihren bösen Neigungen frei sein, insofern er sie
mit Leichtigkeit unterdrückt, und das ist schon ein höherer Grad.
Er kann auch frei sein von aller Anhänglichkeit an irdische und erlaubte Dinge, und dieses ist ein
noch höherer Grad.
Ist er aber auch frei von jeder Anhänglichkeit an die Gaben Gottes, so besitzt er den höchsten
Grad der geistigen Freiheit. Wer diese Tugend in vollkommenem Grade besitzt, dessen Seele ist
frei von aller Betrübnis, von aller Angst und Sorge, er ist immer bereit, sich bei allem, was vorfällt,
dem Willen Gottes zu fügen. Diese haben die Kette jeder Anhänglichkeit gesprengt, daher leben
sie frei von jeder unvollkommenen Sorge in einer angenehmen Ruhe und süßen Heiterkeit des
Geistes. Glückselig diejenigen, die zu diesem Stande gelangt sind.

Das zehnte Merkmal ist das Verlangen der Nachfolge Christi. Dieses ist das sicherste Kennzeichen
des göttlichen Geistes; dem es kann einer nicht den Geist Gottes haben und des Geistes Christi bar
sein, wie der Apostel Paulus sagt: „Ihr aber seid nicht im Fleische, sondern im Geiste, da ja der
Geist Gottes in euch wohnt. Wenn aber jemand den Geist Christi nicht hat, so gehört er auch nicht
ihm“ (Röm 8,9). Der Geist Gottes bewegt zu nichts anderem, als was Jesus Christus, der Sohn
Gottes, mit Wort und Beispiel gelehrt hat. Will nicht dieser Geist, daß wir durch Adoption und
Gnade Kinder Gottes seien, nach den Worten desselben Apostels: „Die aber vom Geiste Gottes
getrieben werden, sind Kinder Gottes“ (Röm 8,14). Kinder Gottes aber werden wir niemals sein,
wenn wir Jesus Christus, seinem wirklichen Sohne, nicht nachfolgen. Zur Nachahmung der
Tugenden Christi also und zum Gehorsam gegen seine Lehre kann uns nichts anderes bewegen als
der Geist Gottes.

Das elfte Merkmal ist eine sanfte, gütige, uneigennützige Liebe, wie sie der heilige Apostel Paulus
beschreibt: „Die Liebe ist geduldig, ist gütig, die Liebe eifert nicht, sie handelt nicht leichthin, ist
nicht aufgeblasen, sie ist nicht ehrgeizig, ist nicht selbstsüchtig“ (1 Kor 13,4 ff.). Der hl. Augustin
hält eine von aufrichtiger Liebe erfüllte Seele für so sicher, daß er sagt: „Liebe und dann tue, was
du willst. Schweigst du, so schweige aus Liebe; redest du, rede aus Liebe, mußt du zurechtweisen,
tue es aus Liebe, schonest du, schone aus Liebe. Die Liebe muß in deinem Herzen wurzeln; aus
solcher Wurzel kann nur Gutes kommen“ (Tract 7 in 1. ep. S. Joannis). Das schöne Wort des hl.
Augustin „Liebe und dann tue was du willst“, das nicht selten mißbraucht wird, ist nach dem, wie
er weiterschreibt, in Wirklichkeit eine herrliche Aufforderung, den Geist der Liebe zu pflegen.
Scaramelli führt keine weiteren Kennzeichen des göttlichen Geistes zur Beurteilung der
Bewegungen und Akte des Willens an, weil die erklärten sicherlich, wie er mit Recht sagt, zur
Urteilsbildung genügen.

4. Kennzeichen des teuflischen Geistes

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DIE DEN MERKMALEN DES GÖTTLICHEN GEISTES
ENTGEGENGESETZTEN KENNZEICHEN DES TEUFLISCHEN GEISTES
IN BEZUG AUF DIE BEWEGUNGEN UND AKTE DES WILLENS

(aus: Theologisches, Nr. 5 September 1970, Sp. 76-80)

Vielleicht ist es gut, bei den folgenden exzerpierten Texten aus Scaramelli, Regeln zur
Unterscheidung der Geister, Regensburg 1904, S. 111-136, sich an das zu erinnern, was dem
ersten Exzerpt in Nr. 3 von „Theologisches“ vorausgeschickt war: Die Unterscheidung, ob etwas
aus unserer erbsündlich angeschlagenen Natur stammt oder vom Teufel, kann oft nicht getroffen
werden. Darum sprechen auch die Lehrer des geistlichen Lebens gewöhnlich einfach vom bösen
Feind, verstehen aber darunter sowohl den Teufel wie auch alles, was aus der ungeordneten
menschlichen Natur stammt.

Das erste Kennzeichen der Einwirkung des bösen Geistes auf unsern Willen sind Unruhe,
Verwirrung und Trübsinn. All dies steht im direkten Gegensatz zu dem Frieden, den Gott verleiht.
Und in der Tat, wenn der Teufel uns offen versucht, so erregt er in uns Gefühle des Hasses, des
Unwillens, des Zornes, des Neides, alles trübe und unruhige Leidenschaften; oder er ruft auch in
der Seele Begierden nach sinnlichen Ergötzungen, Reichtümern und Ehren hervor, welche mit
ihrem blendenden Schein anlocken, aber, wenn man sie nicht hat, uns quälen, und wenn man sie
erlangt, uns auf tausenderlei Art beunruhigen, gerade wie die Rosen, deren Anblick so reizend ist,
die aber, in die Hand genommen, mit ihren Dornen stechen. Kommt aber der Teufel versteckt, um
uns mit guten Gefühlen und scheinbar frommen Gedanken zu täuschen, so wird er, auch wenn er
die Seele anfänglich befriedigte, sie zuletzt doch in Unruhe und Verwirrung zurücklassen. Man
halte an dieser Unterscheidungsregel fest, daß jener Geist, der die Seele beunruhigt, verwirrt,
trübt, aufregt und nur Unordnung erzeugt, ein böser Geist ist.

Ein zweites Merkmal des teuflischen Geistes ist entweder ein offenbarer Stolz oder eine falsche
Demut, nie aber die wahre Demut, die nur von Gott kommt. Naht der Teufel ohne Maske, so kann
er, als Vater des Stolzes, in unsern Herzen keine andern Gefühle erregen, als Gefühle der Eitelkeit,
der Aufgeblasenheit und des stolzen Selbstgefallens; und keine andern Begierden, als Begierden
nach Ehren, Ruhm, hohen Stellen, Bevorzugungen und Würden. So lehrt, und die Erfahrung
bestätigt es Tag für Tag, Johannes Gerson. „Als falscher Engel“, sagt er, „sät der Teufel zuerst den
Geist der Hoffart und treibt den Menschen an zur Begierde, in großen Dingen zu wandeln, eitles
Selbstgefallen zu nähren und sich für hochweise zu halten; hat er das erreicht, so überlistet er ihn,
schmeichelt, verlockt und betrügt ihn, gerade wie er will.“ Doch ist der Teufel, wenn er sich unter
dieser stolzen und eitlen Gestalt zeigt, weniger gefährlich, weil er so leicht zu erkennen ist.
Mehr zu fürchten ist der Teufel, wenn er sich in den Mantel einer falschen Demut hüllt und sich so
einschleicht. Dieses ist der Fall, wenn er uns an die begangenen Sünden erinnert oder an die
gegenwärtigen Unvollkommenheiten, wenn er uns das Verderben, in dem wir gewesen, oder den
gegenwärtigen elenden Stand unserer Seele vor Augen stellt. Alles dies aber bewirkt er in uns
durch ein betrügerisches Licht, welches keine andere Wirkung hat, als daß es die Seele in Unruhe
bringt, sie mit Betrübnis, Besorgnis, Verwirrung, Bitterkeit und Kleinmut erfüllt, ja gar oft in tiefe
Schwermut stürzt. Die unbehutsame Seele wehrt sich nicht gegen diese Gedanken; denn indem sie
ob der Erkenntnis ihrer Sünden und Fehler von sich niedrig denkt, glaubt sie, eine tiefe Demut zu
besitzen, während sie in Wirklichkeit von der Hölle vergiftet ist.
Hören wir darüber die heilige Theresia. Sie schreibt (Leben, Kap. 30,7): „Die wahre Demut,
obschon die Seele sich als böse erkennt und über ihren Zustand Schmerz empfindet kommt doch
nicht in Bestürzung, noch beunruhigt und verdunkelt sie die Seele, auch verursacht sie keine
Trockenheit, sondern Tröstung. Sie erzeugt Schmerz wegen der Beleidigung Gottes, aber von der
anderen Seite erweitert sie das Herz durch die Hoffnung auf seine Barmherzigkeit. Sie bringt Licht,
um sich selber zu beschämen, und preist zugleich Gott, der sie so langmütig ertragen hat. Bei
jener falschen Demut dagegen, welche der Teufel hervorbringt, ist kein Licht für irgend etwas
Gutes; es scheint, als wolle Gott an alles Feuer und Schwert legen … Diese Erfindung des Teufels
ist eine der schwierigsten, feinsten und verstecktesten, die ich je an ihm bemerkt habe.“
Zwischen der göttlichen und teuflischen Demut herrscht dieser Unterschied, daß die erstere mit
Großmut, die letztere mit Kleinmut verbunden ist. Die erste verdemütigt allerdings und vernichtet
zuweilen die Seele beim Anblicke ihres Nichts und ihrer Sünden, doch zu gleicher Zeit erhebt sie
dieselbe zum Vertrauen auf Gott, stärkt und kräftigt sie; auch ist sie friedlich, heiter, gelassen und
lieblich, und darum hofft die Seele nicht bloß Verzeihung ihrer Sünden, sondern faßt auch Mut, um
durch Buße und andere gute Werke ihre früher begangenen Sünden und gegenwärtigen Fehltritte
wieder gut zu machen; ja, gerade die Erkenntnisse ihres eigenen Nichts vermehrt ihr Vertrauen,
große Dinge für Gott zu tun.
Die zweite dagegen mit ihrer trüben Verwirrung und Unruhe, mit ihrer Furcht voll Angst und
Beklemmung raubt der Seele jede Hoffnung, macht sie feig und träg, erfüllt sie mit Mißtrauen,
Niedergeschlagenheit, Kleinmut und Verzagtheit; kurz, sie raubt ihr alle Kräfte des Geistes, so daß
sie sich entweder gar nicht mehr oder nur sehr schwach zu tugendhaften und heiligen Werken
entschließen kann.

Das dritte Merkmal ist die Verzweiflung oder das Mißtrauen oder die falsche Sicherheit, nie aber
das wahre Vertrauen auf Gott. Weil nun der Teufel sieht, daß es ihm nur selten gelingt, gläubige
Seelen in den Abgrund einer fast unheilbaren Verzweiflung zu stürzen, was tut er? Er sucht ihnen
wenigstens ein gewisses Mißtrauen beizubringen, so daß sie, wenn sie auch nicht verzweifeln,
doch auch nicht mehr hoffen. Er gibt sich alle Mühe, sie dauernd in diesen Zustand der
Niedergeschlagenheit zu versetzen, damit sie von Tag zu Tag träger und schwächer werden und
keine Kraft mehr zum Guten haben. Doch was das Schlimmste an der Sache ist, der Teufel tut
dieses auf sehr schlaue und boshafte Weise, indem er ihnen die Überzeugung beibringt, dieser
Zustand der Mutlosigkeit sei ganz recht und vernünftig. Denn nachdem er ihnen mit jener falschen
Demut, wie wir gesehen, die früheren Schwächen oder die täglichen Fehler und Mängel vorgestellt
hat, flößt er ihnen andere anscheinend gute Gedanken ein, wie z. B. daß die Güte Gottes groß sei,
daß sie sich aber mit ihrer Bosheit den Einwirkungen der göttlichen Gnade widersetzen; daß Gott
zwar bereit sei, ihnen zu helfen, sie jedoch dieser Hilfe nicht wert seien, und endlich daß das
ganze übel nicht von Gott, sondern von ihnen selber herrühre. Auf solche Weise, durch diese und
andere Scheingründe hintergangen, verharren sie in ihrem Mißtrauen und ihrem Mißmute. Sind sie
aber einmal in diese Falle geraten, dann bleiben sie darin gefangen und können auf dem Wege der
Vollkommenheit keinen Schritt mehr vorwärts machen. Ich bitte deshalb die Seelenführer, mit
großer Sorgfalt ihre Beichtkinder zu überwachen, damit sie nicht in dieses Netz geraten, oder falls
die hineingeraten wären, schnell von diesem Irrtum geheilt werden. Sie sollen ihnen offen sagen,
daß der Geist des Mißtrauens nie der Geist Gottes ist, noch sein kann, sondern immer vom Teufel
herrührt: Sie sollen dieselben unterrichten, wie sie sich wegen ihrer Sünden heilsam schämen und
verdemütigen, dann aber sogleich mit einer lebendigen und starken Hoffnung sich zu Gott erheben
sollen, indem sie erwägen, daß die göttliche Barmherzigkeit unendlichmal die Schwere und Zahl
ihrer Sünden übersteigt. Sie sollen dieselben zur Erweckung frommer Akte anhalten, wenn der
Teufel sie zu Mißtrauen und Kleinmut versucht, indem sie z. B. mit dem heiligen Paulus sagen:
“Gott ist es der rechtfertigt, wer ist, der da verdammen sollte?” (Röm 8,34). Oder mit dem
Propheten Isaias: “Nahe ist, der mich rechtfertigt, wer will mit mir streiten? Siehe, Gott, der Herr,
ist mein Helfer; wer ist’s, der mich verdammt?” (Is 50,8 f.). Durch diese Worte ermutigt, sollen sie
große Hoffnung fassen und mit Job wiederholen: “Auch wenn er mich tötet, will ich auf ihn hoffen”
(Job 13,15). Ich habe zwar gesündigt, schwer gesündigt, es ist wahr; aber die Sünde des
Mißtrauens gegen Gottes grenzenlose Güte will ich nicht hinzufügen. Selbst wenn ich schon am
Rande des Abgrundes wäre, nahe daran, hineinzustürzen, würde ich nicht ablassen, auf Gott zu
hoffen. – Endlich befehle er ihnen diese oder ähnliche Akte der Hoffnung, so lange zu erwecken,
bis ihr Herz sich wieder ermutigt fühlt. Überdies wird es, um den Versuchungen des Teufels den
Zutritt zu verschließen, gut sein, sie dazu anzuhalten, daß sie sogleich, wenn sie einen Fehler oder
eine Sünde begangen haben, diese bereuen und sich vor Gott verdemütigen und darauf sich
sogleich in die Arme der göttlichen Güte werfen und da ihr Herz mit heiligem Vertrauen erweitern,
eher der Teufel kommt, um es mit seiner Versuchung zur feigen Mutlosigkeit zusammen
zuschnüren. Darauf sollen sie fortfahren, mit Freude, Frieden und heiliger Freiheit Gott zu dienen.
Alles das, was ich vom Geiste der Verzweiflung und des Mißtrauens gesagt habe, tritt
jedoch erst nach begangener Sünde ein. Vor der Sünde sucht der Teufel dem Menschen einen
ganz entgegengesetzten, doch ebenso verkehrten Geist beizubringen, nämlich den Geist einer
eitlen und vermessenen Sicherheit, wodurch er den Menschen zur Sünde ermutigt. Er stellt ihm
Gott mit einer fast einfältigen und stumpfsinnigen Barmherzigkeit vor, die sich ungestraft
beleidigen läßt; so daß er ,durch diese törichte Überzeugung irregeführt, jede Furcht ablegt und
ungescheut sich mit Sünden bedeckt. Solchen Personen muß der Beichtvater die große Gefahr vor
Augen stellen, der sie sich aussetzen, von der Barmherzigkeit Gottes ganz verlassen zu werden,
wenn sie ihre Milde nur zur Sünde mißbrauchen. Er sage ihnen, daß die Barmherzigkeit Gottes
dem Meere gleicht, welches nur jene Schiffe sicher in den Hafen führt, die sich selber mit Segel
und Rudern helfen. Würden sie die Hände müßig in den Schoß legen und sich durch ihre Trägheit
der Gefahr des Schiffbruches aussetzen, in der Einbildung, daß das Meer alles allein tun müsse,
wer möchte an ihrem Untergange zweifeln? So ist auch Gott ein Meer der Barmherzigkeit und ein
Ozean der Güte. Sind wir tätig und strengen wir uns selber an, um uns vor der Sünde zu hüten
und begangene Sünden aufrichtig zu bereuen, so wird uns dieses süße Meer sicher in den Hafen
des ewigen Heils bringen. Wenn wir uns aber selbst nicht helfen wollen, ja uns sogar der
offenbaren Gefahr des Verderbens aussetzen, indem wir uns schmeicheln, die göttliche
Barmherzigkeit werde alles allein tun, so läßt uns dieses so liebliche Meer der Güte ewigen
Schiffbruch leiden.
Um diese Lehre kurz zusammenzufassen, sage ich, der Beichtvater müsse Sorge tragen, daß die
ihm anvertrauten Seelen nach begangener Sünde auf die göttliche Gnade hoffen, vor der Sünde
aber sich allzeit fürchten. So werden sie von selbst den teuflischen Geist des Mißtrauens und der
Verzweiflung, der auf die Sünde folgt, und den Geist einer törichten Sicherheit, der ihr vorangeht,
von sich fernhalten.

Das vierte Merkmal ist die Willenshärte oder Verweigerung des Gehorsams gegen die Oberen. Alle
jene, die vom teuflischen Geiste beherrscht werden, zeigen eine gewisse Härte des Willens,
wodurch sie sich entweder offen widersetzen, oder sich nur höchst ungern der Überzeugung, dem
Rate, dem Befehle oder Tadel der Diener Gottes fügen, die sie an Gottes Statt leiten. Der Leser
wird sich darüber nicht verwundern, wenn er bedenkt, was Cornelius a Lapide zu den Worten des
heiligen Paulus: “Was für ein Einklang herrscht zwischen Christus und Belial?” (2 Kor 6,15)
bemerkt. „Belial“, schreibt er zu diesem Vers, „bedeutet den Teufel, welcher der Fürst jeder
Abtrünnigkeit und Unbotmäßigkeit war und als erster Abtrünniger das Joch des Gesetzes, des
Glaubens und des Gehorsams gegen Gott abgeschüttelt hat. Deshalb werden die Abtrünnigen
Männer oder Söhne Belials genannt, das heißt Söhne des Teufels, Söhne des Ungehorsams, der
Empörung und der Gottlosigkeit.“ Daraus folgt auch, daß der böse Geist uns niemals dazu
bestimmt, unsern geistlichen Vätern die inneren Regungen unsers Herzens aufrichtig zu
offenbaren; denn um die Betrügereien des bösen Feindes aufzudecken, gibt es, wie wiederum
Cornelius a Lapide (zu 2 Kor 11,14) sagt, nach dem Urteile der Väter, der Heiligen und der eigenen
Erfahrung, keinen besseren Rat als diesen, daß man jeden Gedanken und jede Regung des
Herzens einem gelehrten, klugen und frommen Manne, besonders dem Beichtvater aufdeckt und
seinem Rate sich unterwirft. Weil aber der Teufel nicht entdeckt werden will, so verabscheut er
diese Eröffnung des Gewissens, flößt auch seinen Anhängern einen großen Abscheu davor ein und
verbietet sie ihnen in seinen Einflüsterungen.
Niemals aber wird es vorkommen, daß er jemand anrät, sich aufrichtig seinem Seelenführer zu
offenbaren; denn er hat die Eigenschaft der Verräter und Räuber, die nichts so sehr fürchten, als
entdeckt zu werden. Daraus muß man also den Schluß ziehen, daß der hartnäckige Wille des
Ungehorsams und die Verheimlichung seines Innern vor den geistlichen Vätern offenbar vom
teuflischen Geiste herrühren.

Das fünfte Merkmal ist die schlechte Absicht bei den Handlungen. Wenn der Teufel einen
Menschen zu bösen Werken versucht, so ist kein Zweifel, daß er ihm dabei eine böse Absicht
eingibt. Es geschieht dies aber auch bei an sich guten Werken, um sie zu verderben, so daß sie
zwar den Schein der Tugend haben, aber ihrem Wesen nach schlecht sind. Gibt z. B. jemand
Almosen, obliegt er dem Gebete oder übt er sich in Werken der Liebe und Barmherzigkeit usw., so
erweckt er in ihm ein gewisses Verlangen, diese Werke vor den Augen seiner Mitmenschen zu tun
und sich so Ehre und Ansehen zu verschaffen; oder er bemüht sich wenigstens zu bewirken, daß
jener anfängt sich selbst zu schätzen, an seinen Handlungen Gefallen zu finden und eine höhere
Meinung von sich zu fassen. Auf diese Weise betrügt er ihn auf bedauernswerte Weise, indem er
ihm das als Tugend vorstellt, was der bösen Absicht wegen Sünde ist.
„Oftmals schleicht sich der böse Geist“, schreibt der hl. Gregor d. Gr. (Registrum epist. lib. VII. ep.
12,7), „um das Gute, das er nicht verhindern konnte, zu zerstören, nach vollbrachter Handlung in
den Sinn des Menschen ein und erweckt darin im stillen selbstgefällige Gedanken, damit der
Betrogene das, was er getan, Selber als etwas Großes bewundere. Während er sich aber so
innerlich stolz überhebt, beraubt er sich der Gnade desjenigen, der ihn zu jener guten Handlung
befähigt hatte.“
Ich füge noch eine Bemerkung für den geistlichen Führer bei. Sieht er, daß der böse Feind die
guten Werke seiner Beichtkinder zu verderben trachtet, indem er ihnen verkehrte Absichten, z. B.
der Eitelkeit, des Wohlgefallens oder eines irdischen Vorteils beibringt, dann gebe er ihnen als
Heilmittel gegen diese Versuchungen ja nicht den Rat, diese guten Werke zu unterlassen oder
aufzuschieben; denn das wäre nicht eine Vermeidung, sondern eine Förderung seiner
Versuchungen, weil jener bei der Einflüsterung solcher schlimmen Absichten ein doppeltes Ziel im
Auge hat, nämlich daß man die tugendhaften Werke unterlasse oder sie schlecht verrichte. Er muß
sie dazu anhalten, daß sie ihre Absicht ändern und anstatt der niedrigen und fehlerhaften, edle
und höhere Absichten wählen, wie die Ehre und das Wohlgefallen Gottes oder auch das wahre
Beste der Seele.

Das sechste Merkmal ist die Ungeduld in Trübsalen. Dieser Punkt bedarf keiner langen Erklärung;
denn jeder weiß, daß der Teufel uns keine Empfindungen der Geduld mitteilen kann, daß er
vielmehr nur darauf bedacht ist, in uns Gefühle des Zornes und des Unwillens rege zu machen.
Wird z. B. jemand durch irgend eine Beleidigung, durch üble Nachreden oder Verleumdungen an
seiner Ehre angegriffen, so bemächtigt sich der Teufel seiner Einbildungskraft, ruft die Erinnerung
an die empfangenen Unbilden wach, vergrößert die Absichten des Beleidigers und beleuchtet sie
mit seinem höllischen Lichte, so daß der Strohhalm zu einem Balken, das Sandkörnchen zu einem
Berge wird. Darauf schleicht er sich in den inneren Sinn ein, regt die Säfte und das Blut auf,
macht, daß ihm die Galle überläuft, das Gemüt sich verfinstert und die Vernunft getrübt wird. Hat
er ihn so weit gebracht, dann stellt er ihm seinen Unwillen als gerecht und seinen Zorn als erlaubt
vor, entflammt immer mehr die Glut und reißt ihn so blindlings zur Rache hin.
(aus: Theologisches, Nr. 6 Oktober 1970, Sp. 92-94)
Bilden die Ursachen der Leiden einer Person körperliche Schmerzen und Gebrechen, oder der
Verlust der Habe, oder der Tod naher Verwandten und teurer Freunde, oder andere übel, die aus
notwendigen Ursachen entspringen, so wird der Teufel, der Feind der Geduld, die Seele um so
mehr zur Ungeduld, zu Klagen, zur Wut und Verzweiflung antreiben. Sind solche Gefühle
vorhanden, so kann man daraus abnehmen, daß der böse Feind mit seinen Versuchungen
dahintersteckt.
Das siebente Merkmal ist der Aufruhr der Leidenschaften. Wenn der Beichtvater sieht, daß ein
Beichtkind von stürmischen Leidenschaften aufgeregt ist, welche die Vernunft trüben und dem
Willen Gewalt antun, dann darf er fest glauben, daß der teuflische Geist in demselben wirkt. Es ist
wahr, daß solche Leidenschaften auch von der Natur herrühren; doch für gewöhnlich erhalten sie
nur vom Teufel Kraft und Wachstum. Die Natur beginnt mit leichteren Erregungen, der böse Feind
aber, der beständig zu unserm Verderben wacht, stachelt sie auf, entflammt sie und gibt ihnen
Stärke. Denn wie Gott immer vor der Türe unseres Herzens steht, und mit seinen Einsprechungen
anklopft: “Siehe, ich stehe an der Türe und klopfe” (Off 3,20), so geht der Teufel, nach den
Worten des hl. Petrus (1 Petr 5,8), “wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er
verschlinge.” Bemerkt er in dem Herzen ungeordnete Neigungen, so dringt er dreist in dasselbe
und setzt es mit der Fackel seiner Einflüsterungen in Flammen. Erhebt sich dabei die Leidenschaft
aus geringfügigen Anlässen ganz plötzlich mit ungewöhnlicher Heftigkeit und fast auf unnatürliche
Weise, dann hat man um so mehr Grund zu glauben, daß der Teufel der Urheber oder wenigstens
der Beförderer sei.

Das achte Merkmal ist Falschheit, Verstellung und Heuchelei. Der Vater der Lüge kann unseren
Herzen nicht jene Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit und Einfalt einflößen, die Gott dem Geiste seiner
Diener mitteilt. Das wäre mit seiner Natur allzu wenig vereinbar; er kann nur den Geist der Lüge
oder der Falschheit mitteilen. „Die Weisheit dieser Welt besteht“, nach dem Zeugnisse des
hl. Gregor (Mor. X,16), „darin, die Gefühle des Herzens schlau zu verheimlichen, die Gedanken
durch gleißende Worte zu verbergen, den Irrtum als Wahrheit und die Wahrheit als Irrtum
darzustellen.“ Diese Falschheit und tadelnswerte Verstellung, fährt er fort, wird in der Welt
hochgeschätzt und bewundert. „Diese weltliche Klugheit kennen junge Leute durch die Übung,
Knaben erlernen sie um Geld; diejenigen, die sich darauf verstehen, blicken auf andere mit Stolz
herab; und jene, die sie nicht verstehen, bewundern sie demütig und schüchtern an andern. “ Es
ist zwar wahr, daß der heilige Lehrer diese Laster dem Weltgeiste zuschreibt, denn er sagt später:
„Nichts findet die Welt so töricht, als wenn man seine innere Gesinnung mit Worten kundgibt und
nichts durch schlaue Kunst zu verbergen weiß.“ Aber eben dieses beweist, daß man sie ebenso gut
dem bösen Geiste zuschreiben müsse, weil diese zwei Geister, wie wir schon oben sagten, zum
Schaden unserer Seele Bundesgenossen sind.

Ein neuntes Kennzeichen ist die der Freiheit des Geistes ganz entgegengesetzte Anhänglichkeit.
Der Teufel strebt nicht bloß danach, daß wir unser Herz an das Zeitliche hängen (denn daran kann
niemand zweifeln), sondern er verwendet auch große Mühe darauf, daß wir es unordentlich an
geistliche Dinge hängen. Denn wenn er uns von der Welt und ihrer Eitelkeit losgetrennt sieht, so
erweckt er zuweilen in uns zur Zeit des Gebetes gewisse fühlbare Zärtlichkeiten und sinnlich
fühlbare Tröstungen und bemüht sich, daß wir uns dabei mehr als billig aufhalten, daran
Wohlgefallen finden, an dieselben unser Herz hängen und zum Gebete zurückkehren, nicht Gottes-
sondern unsertwegen, nicht unseres geistlichen Nutzens, sondern unserer Befriedigung wegen.
Der Böse hat dabei keine andere Absicht als diese, die Seelen mit jenen Süßigkeiten zu fesseln,
damit sie auf dem Wege des Geistes keine Fortschritte machen. Auch solcher Anhänglichkeit
entspringt allerlei Unklugheit und Unbesonnenheit, so daß manche es unterlassen, die Pflichten
ihres Standes, ihres Berufes oder Amtes zu erfüllen, oder daß sie die Liebe und den Gehorsam
hintansetzen, um länger über Gebühr sich dem Gebete hinzugeben. Gott selber begünstigt nicht
den Fortschritt dieser schwachen Seelen, die zur Zeit, in der sie Gott suchen sollten, sich selber
suchen.

Das zehnte Kennzeichen ist die Abwendung von Jesus Christus und seiner Nachfolge. Als Beweis
diene die große Abneigung, welche die falschen Mystiker und die Ketzer, in denen der teuflische
Geist triumphierte, gegen die anbetungswürdige Person des Erlösers zeigten. Jene gingen soweit,
die Betrachtung derselben zu verbieten und das Andenken an sie auszulöschen; diese aber
suchten deren Kult und Verehrung zu verhindern. Niemand wundere sich darüber; denn da der
Teufel der geschworene Feind Jesu Christi ist, nährt er Gefühle und Grundsätze, die der göttlichen
Person Jesu, seinem Leben und seiner Lehre schnurgerade entgegen sind, und sucht sie jenen
Seelen einzuflößen, die er mit seinem Geiste beherrscht. Jesus, der zur Anspeiung, zu
Faustschlägen und Backenstreichen, zur Dornenkrone, zum Kreuze, ja zum Tode ging, sagt zu
seinen Gliedern: “Wer mir dient, folge mir nach” (Jo 12,26). Der Teufel aber lehrt seine Anhänger
nichts anderes, als nach dem höchsten Gipfel streben. Sehet, wie die Grundsätze des Teufels den
Grundsätzen Jesu schnurgerade entgegen sind; im Widerspruche müssen also auch die Triebe
sein, die der Teufel im menschlichen Herzen erweckt. Findet also der Seelenführer eine Seele
abgeneigt gegen die heiligste Menschheit Jesu, gegen ihre Betrachtung und Nachfolge, so glaube
er ihrem Geiste nicht, auch wenn er noch so göttlich schiene; denn sie trägt allzu deutlich das
Zeichen des teuflischen Betruges an sich.

Das elfte Kennzeichen ist die falsche Liebe und der falsche Eifer. Der zornige, trübe und ruhelose
Eifer, der den Zorn zum Vater und den Stolz zur Mutter hat, ist jener, den der Teufel den Herzen
seiner Anhänger eingibt, nicht etwa um die Fehler anderer zu verbessern, sondern bloß um den
Frieden zu stören und die brüderliche Liebe zu verletzen. Wenn daher der Seelenführer, sei es in
Privathäusern oder in religiösen Gemeinden, eine Person findet, die von diesem falschen oder
unklugen Eifer beherrscht wird, indem sie sich über die Fehler anderer unmäßig aufregt, ihnen im
Hause nachspürt, sie bekrittelt, darüber laut ihren Hausgenossen gegenüber murrt, auf strenge
Bestrafung dringt und viele Unruhen und Verwirrungen verursacht, so traue er ihr nicht; denn der
wahre Geist des Herrn treibt die Seele an, auf sich zu schauen und nicht auf fremde Fehler
achtzuhaben, sie bei sich zu entschuldigen und, wenn sie nicht entschuldbar sind, sie den
Vorgesetzten mit Ruhe anzuzeigen in der Absicht, daß sie gebessert werden, und dann sie zu
vergessen, oder sich bloß deshalb an sie zu erinnern, um die Schuldigen im Gebete Gott
anzuempfehlen.

Kommen wir nun zur praktischen Anwendung, wie der Seelenführer verfahren soll, wenn er an
seinen Beichtkindern eines der erklärten Kennzeichen des teuflischen Geistes beobachtet. Drei
Dinge hat er zu tun.
1) Er muß ihnen die Einflüsterungen des Teufels klar zu erkennen geben, damit sie sich
überzeugen, daß diese und jene Erscheinungen, diese und jene inneren Bewegungen nicht von der
Natur kommen oder von Gott eingegeben sind, sondern vom Feinde Gottes ausgehen, auf daß sie,
wenn sie den Gegner erkennen, der sie angreift, sich bereitwillig zur Verteidigung rüsten.
2) Er muß sie anhalten zum Gebete, daß sie sich Gott anempfehlen und ihn unablässig und von
Herzen um seinen Beistand gegen die Anfälle dieses schlauen und wilden Feindes bitten, denn
sonst werden sie beim ersten Angriffe unterliegen. Er schärfe ihnen ein, daß sie im Gebete nie
ermüden und nicht davon ablassen dürfen, sondern beharrlich damit fortfahren müssen, solange
der Kampf dauert.
3) Er ermahne sie, dergleichen Gedanken und innere Erregungen, wenn der Teufel sie damit
anfällt, sogleich auszuschlagen, mit Verachtung zurückzuweisen oder entgegengesetzte Akte zu
erwecken, je nachdem die Versuchung ist; widrigenfalls, wenn der Widerstand langsam, träg und
schwach ist, werden sie zum großen Schaden ihrer Seelen oft unterliegen. „Wenn dir“, sagt der
hl. Augustinus (in Psalm. 103. conc. 4), „irgend etwas Unerlaubtes in den Sinn kommt, halte dich
nicht dabei auf, willige nicht ein; das, was dir in den Sinn kommt, ist das Haupt der Schlange;
zertrete es, und du entgehst den übrigen Regungen.“

5. Erklärung einiger zweifelhafter Antriebe

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ERKLÄRUNG EINIGER ZWEIFELHAFTER ANTRIEBE
(aus: Theologisches, Nr. 7 November 1970, Sp. 104-105)

Wenn deutlich zu erkennen wäre, woher alle Antriebe und inneren Regungen kommen, so wäre
die Unterscheidung der Geister etwas Leichtes. „Mancher Weg, der dem Menschen der rechte
scheint, führt doch zuletzt zum Tode“ (Spr 14,12). Darum hier noch einige Winke zur
Unterscheidung dessen, was verdächtig erscheint.

Jener Geist, der nach vollzogener Standeswahl nach einem andern Stand sich sehnt, muß für
verdächtig gehalten werden. „Ein jeder bleibe in dem Berufe, in welchen er berufen ward“
(1 Kor 7,20). Daraus folgt, daß Entschlüsse, seinen Beruf zu verlassen und einen anderen,
zurückgezogeneren, strengeren, tätigeren oder frömmeren Stand zu wählen, obwohl sie beim
ersten Anblick heilig sind, für gewöhnlich der natürlichen Unbeständigkeit oder teuflischem Betrug
zuzuschreiben sind. Es gibt aber Beispiele von großen Heiligen, die zu einem vollkommeneren
Stand übergegangen sind. Außer den Kennzeichen des guten Geistes ist zur Beurteilung
festzustellen, ob die fragliche Person von Natur unbeständig ist, ob der neue Stand ihren Körper-
und Geisteskräften angemessen ist und welche Rückwirkungen auf andere zu erwarten sind.
Sehr zweifelhaft würde jener Geist sein, der zu ungewöhnlichen, sonderbaren und dem Stande
nicht angemessenen Dingen antriebe, denn die göttliche Vorsehung wirkt in der natürlichen wie in
der übernatürlichen Ordnung nicht gewaltsam, sondern ruhig, dem Stande eines jeden angepaßt.
Zeichen dafür, daß der Antrieb zu etwas Besonderem von Gott kommen könnte, wären ein
außergewöhnlicher Gehorsam und tiefgewurzelte Demut. Das Verlangen nach Außerordentlichem
in der Ausübung der Tugenden kann von Gott sein, aber Gott fuhrt auf außerordentlichen Wegen
nur solche, die sich im Feuer der Prüfungen bewährt haben und die er zu wirklicher Heiligkeit
bestimmt hat.

Der Geist großer äußerer Bußwerke kann zweifelhaft sein. Auf die Gefahr hat Jesus bei Pharisäern
aufmerksam gemacht: „Sie entstellen ihr Gesicht, damit man ihr Fasten merken soll“ (Mt 6,16).
Und der hl. Hieronymus sagt: „Ich habe aus Erfahrung gelernt, daß der Esel, wenn er müde
wurde, gern vom Wege abgeht“ (Ep. ad Lact.).

Der Geist fühlbarer geistlicher Tröstungen ist zweifelhaft. Wird eine solche angenehme
Empfindung von der Gnade hervorgebracht, dann ist sie nichts anderes als ein süßer Eindruck, den
die übernatürlichen und frommen Akte auf das Begehrungsvermögen machen. Eine solche
Tröstung ist nicht zu verachten oder zu verwerfen. Denn sie ist heilig und nützlich. Nimmt man sie
an, ohne sich an sie zu hängen, so trägt sie viel zur Ausübung der Tugend, zur Beharrlichkeit im
Gebet und zum Fortschritt bei. Doch das Schlimme ist, daß sich unser inneres Gefühl von sich
selbst, unabhängig von der Gnade, durch heilige Eindrücke und Gedanken erregen kann. Dann ist
die Tröstung nur eine Wirkung der Natur und bringt keinerlei Nutzen. Noch schlimmer ist, daß
auch der Teufel solche Gefühle hervorrufen kann, zu großem Schaden oder wenigstens zu großer
Gefahr der Seele, die voll Andacht zu sein wähnt und in Wirklichkeit voll von Täuschung ist.
Man muß die Tröstungen nach ihren Früchten beurteilen. Ist der Verstand aufgeschlossener für die
göttlichen Wahrheiten, der Wille stärker hingeneigt zu heiligen Dingen und tapferer im Streben,
bekämpft er die kleinen Fehler sorgfältiger, dann sind die Tröstungen ein Geschenk Gottes. Wenn
aber nach dem Gebete, das mit derlei Tröstungen und Süßigkeiten verrichtet wurde, keine
Wirkung festzustellen ist, der Mensch geradeso leicht wie zuvor in die alten Fehler fällt und wie
vorher langsam und träge in der Übung der Tugend ist und das immer so fortgeht, so ist dieser
geistige Trost sehr verdächtig, und man muß befürchten, daß er eine Wirkung der Natur oder des
Versuchers ist. Man sollte sich darum von ihm abwenden. Dagegen erkennt man die geistliche
Tröstung, die Gnade ist, gerade daran, wie der hl. Ignatius in der 3. Regel zur Unterscheidung der
Geister in seinem Exerzitienbüchlein angibt, daß in der Seele eine innere Bewegung erweckt wird,
durch die sie in der Liebe ihres Schöpfers und Herrn entflammt zu werden beginnt und das
Geschaffene nicht mehr in sich selbst, sondern nur mehr im Schöpfer aller Dinge liebt, und sie zur
Reue und zu größerer Bereitschaft im Dienste Gottes bewegt wird. Ganz besonders verdächtig
wären andauernde, nie unterbrochene Tröstungen und geistliche Süßigkeiten. Denn diese gibt es
nur bei der sehr, sehr seltenen umwandelnden Vereinigung mit Gott, sie ist in der Regel
verbunden mit großen inneren und äußeren Leiden.

Geschrieben von conservare

18/01/2010 um 10:18

1. Regeln, um die Bewegungen der Seele zu erspüren

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Ignatius von Loyola: Die Unterscheidung der Geister

Regeln, um einigermaßen die verschiedenen Bewegungen zu erklären und zu erspüren, die in der Seele sich verursachen; die guten, um sie aufzunehmen, die schlechten, um sie zu verwerfen.

DIE ERSTE REGEL. Denen, die von Todsünde zu Todsünde gehen, pflegt der Böse Feind gemeinhin
augenscheinliche Lust vorzustellen, indem er Bilder sinnlicher Ergötzungen und Lüste hervorruft, um sie
jeweils mehr in ihren Lastern und Sünden zu bewahren und zunehmen zu lassen. Der gute Geist verfährt bei
solchen in entgegen gesetzter Weise; er stachelt sie auf und gibt ihnen Gewissensbisse im innern Instinkt
der Vernunft.

DIE ZWEITE. Bei denen, die entschieden voranmachen in der Reinigung von ihren Sünden und die im
Dienste Gottes Unseres Herrn vom Guten zum je Besseren übergehen, findet eine Weise statt, die der ersten
Regel entgegengesetzt ist. Denn nun ist es dem bösen Geiste eigen, zu beißen, traurig zu stimmen und
Hindernisse zu legen, indem er mit falschen Gründen beunruhigt, damit man nicht weiter vorrücke. Und dem
guten Geist ist es eigen, Mut und Kraft, Tröstungen, Tränen, Einsprechungen und Ruhe zu geben, indem er
alle Hindernisse leicht macht und weghebt, damit man im Tun des Guten weiter voranschreite.

DIE DRITTE. Vom geistlichen Trost. Ich rede von Trost, wenn in der Seele eine innere Bewegung sich
verursacht, bei welcher die Seele in Liebe zu ihrem Schöpfer und Herrn zu entbrennen beginnt und
demzufolge kein geschaffenes Ding auf dem Antlitz der Erde mehr in sich zu lieben vermag, es sei denn im
Schöpfer ihrer aller. Desgleichen: wenn einer Tränen vergießt, die ihn zur Liebe Seines Herrn bewegen, sei
es aus Schmerz über seine Sünden oder über das Leiden Christi Unseres Herrn oder über andere unmittelbar
auf Seinen Dienst und Lobpreis hin geordnete Dinge. Und endlich nenne ich Trost jede Zunahme von
Hoffnung, Glaube und Liebe, und jede innere Freudigkeit, die ihn zu den himmlischen Dingen ruft und zieht
und zum eigenen Heil seiner Seele, indem sie ihn besänftigt und befriedet in seinem Schöpfer und Herrn.

DIE VIERTE. Von der geistlichen Trostlosigkeit. Ich nenne Trostlosigkeit alles, was zur dritten Regel in
Gegensatz steht, als da ist: Verfinsterung der Seele, Verwirrung in ihr, Hinneigung zu den niedrigen und
erdhaften Dingen, Unruhe verschiedener Getriebenheiten und Anfechtungen, die zum Mangel an Glauben, an
Hoffnung, an Liebe bewegen, wobei sich die Seele ganz träg, lau, traurig findet und wie getrennt von ihrem
Schöpfer und Herrn. Denn wie der Trost das Gegenteil der Trostlosigkeit ist, so sind auch die Gedanken, die
der Trostlosigkeit entspringen, entgegengesetzt den Gedanken, die aus dem Trost entstehen.

DIE FÜNFTE. Zur Zeit der Trostlosigkeit soll man nie eine Änderung treffen, sondern fest und beständig in
den Vorsätzen und der Entscheidung stehen, in denen man am Tag vor dieser Trostlosigkeit stand, oder in
der Entscheidung, in der man im vorausgehenden Troste stand. Denn wie uns im Trost jeweils mehr der
gute Geist führt und berät, so in der Trostlosigkeit der böse, auf dessen Ratschläge hin wir den Weg nie
finden können, um das Rechte zu treffen.

DIE SECHSTE. Sollen wir in der Trostlosigkeit die früheren Vorsätze nicht ändern, so ist es doch sehr von
Nutzen, uns selber entschieden gegen eben diese Trostlosigkeit hin zu ändern, so etwa, dass wir uns mehr
dem Gebet, der Betrachtung hingeben, uns viel prüfen und in irgendeiner angemessenen Weise freigebiger
Buße tun.

DIE SIEBTE. Wer in Trostlosigkeit ist, erwäge, wie der Herr ihn zur Probe in seinen natürlichen Fähigkeiten
gelassen hat, zu dem Zweck, dass er den verschiedenen Antrieben und Anfechtungen des Feindes
widerstehe. Er kann es nämlich mit der göttlichen Hilfe, die ihm stets verbleibt, auch wenn er sie nicht
deutlich spürt, da ihm der Herr zwar seine große Glut, die besondere Liebe und die intensive Gnade
entzogen, ihm aber die zum ewigen Heil genügende Gnade gelassen hat.

DIE ACHTE. Wer in Trostlosigkeit ist, gebe sich Mühe, in der Geduld auszuharren, die den ihn
überkommenden Quälereien entgegenwirkt. Und er möge bedenken, dass er gar bald wieder getröstet sein
wird; dabei aber sorgsam die Mittel gegen solche Trostlosigkeit anwenden, wie in der sechsten Regel gesagt
worden ist.

DIE NEUNTE. Drei Gründe sind es vornehmlich, warum wir uns trostlos finden.
Der erste, weil wir lau, träge oder nachlässig in unseren geistlichen Übungen sind: so zieht sich durch unsere
Schuld der geistliche Trost von uns zurück.
Der zweite, damit Gott uns erprobe, wie weit wir sind und in welchem Ausmaß wir uns ausgeben in seinem
Dienst und Lobpreis ohne einen so großen Sold an Tröstungen und besonderen Gnaden.
Der dritte, um uns die wahre Kenntnis und Einsicht zu geben, dazuhin, es inwendig zu erleben, dass es nicht
unsere Sache ist, große Hingabe, intensive Liebe, Tränen oder irgendeinen andern geistlichen Trost uns zu
verschaffen oder zu erhalten, sondern dass es ganz eine Gabe und Gnade Gottes Unseres Herrn ist, und wir
uns nicht in ein fremdes Haus einnisten und unsern Geist in irgendeinem Stolz oder eitlem Ruhm aufblähen,
indem wir die Andacht oder andere Teile des geistlichen Trostes uns selber zuschreiben.

DIE ZEHNTE. Wer im Trost ist, bedenke, wie er sich in der Trostlosigkeit benehmen werde, die später
kommen wird, indem er für dann neue Kräfte sammelt.

DIE ELFTE. Wer getröstet ist, sorge sich zu demütigen und zu erniedrigen soviel er kann, indem er bedenkt,
wie wenig er wert ist zur Zeit der Trostlosigkeit ohne diese besondere Gnade oder Tröstung. Und im
Gegenteil bedenke, wer in der Trostlosigkeit ist, dass er viel vermag mit der Gnade, die genügt, um allen
seinen Feinden zu widerstehen, indem er die Kräfte bei seinem Schöpfer und Herrn sich holt.

DIE ZWÖLFTE. Der Feind verhält sich wie ein Weib; seine Kräfte sind schwach, aber er will gerne stark
erscheinen. Denn wie es Weiberart ist, beim Streit mit einem Mann den Mut zu verlieren und die Flucht zu
ergreifen, wenn der Mann ihr die starke Stirne zeigt, wenn aber der Mann zu weichen beginnt und den Mut
sinken lässt, Zorn, Rache und Wildheit des Weibes übergroß und maßlos werden, so ist es auch dem Feinde
eigen, zusammenzusinken und den Mut zu verlieren, so dass seine Versuchungen die Flucht ergreifen, wenn
der Mensch, der sich in geistlichen Dingen übt, die starke Stirne gegen seine Versuchungen zeigt, indem er
geradenwegs das Gegenteil tut; wenn hingegen der sich Übende anfängt, Furcht zu hegen und beim
Ausstehen der Versuchungen den Mut zu verlieren, dann gibt es auf der ganzen Welt keine so wilde Bestie
wie den Feind der menschlichen Natur, wenn er mit ausgewachsener Bosheit seine tückische Absicht
verfolgt.

DIE DREIZEHNTE. Desgleichen verhält der Feind sich wie ein eitler Verliebter: er wünscht verborgen zu sein
und nicht entdeckt zu werden. Denn wie dieser falsche Mensch, der sich an die Tochter eines guten Vaters
oder an die Gattin eines guten Gatten heranmacht und sie zum Bösen überredet, den Wunsch hat, dass
seine Worte und Einflüsterungen geheim bleiben, und es ihm sehr missfällt, wenn die Tochter dem Vater
oder die Gattin dem Gatten seine eitlen Worte und seine verkommene Absicht aufdeckt, weil er leicht
begreift, dass er sein Vorhaben nicht mehr ausführen kann, ebenso wünscht und begehrt auch der Feind der
menschlichen Natur, wenn er seine Listen und Einflüsterungen der gerechten Seele einflößt, dass diese im
geheimen empfangen und festgehalten werden; offenbart sie sie aber ihrem guten Beichtvater oder einer
andern geistlichen Person, die seine Betrügereien und Bosheiten kennt, so grämt ihn das sehr, denn er
begreift, dass er mit seiner begonnenen Bosheit nicht zum Ziel gelangen kann, da seine klaren Betrügereien
offen zutage liegen.

DIE VIERZEHNTE. Der Feind verhält sich auch wie ein Häuptling, der einen Platz bezwingen und ausrauben
will. Wie ein Hauptmann oder Anführer im Feld Stellung bezieht und Kräfte und Lage der Burg ausspäht, um
sie dann an der schwächsten Stelle anzugreifen, ebenso umschleicht auch der Feind der menschlichen Natur
rings alle unsere theologischen, kardinalen und moralischen Tugenden, und wo er uns schwächer und ungeschützter zu unserem ewigen Heil hin findet, dort führt er seinen Schlag gegen uns und trachtet, uns einzunehmen.

Geschrieben von conservare

18/01/2010 um 09:55

2. Regeln um die Geister noch genauer zu unterscheiden

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2. Regeln zu dem Zweck, die Geister noch genauer zu unterscheiden

DIE ERSTE. Es ist Gott und Seinen Engeln in ihren Anregungen eigen, wahre geistliche Freude und
Fröhlichkeit zu geben und alle Trauer und Verwirrung, die der Feind herbeiführt, zu entfernen, dessen Art es
ist, gegen solche geistliche Fröhlichkeit und Tröstung anzukämpfen, indem er Scheingründe, Spitzfindigkeiten
und anhaltende Täuschungen beizieht.

DIE ZWEITE. Einzig Gott Unser Herr kann ohne vorausgehenden Grund der Seele Trost geben; denn es ist
dem Schöpfer vorbehalten, in sie einzutreten, aus ihr hinauszugehen, sie so zu bewegen, dass Er sie ganz in
die Liebe zu Seiner Göttlichen Majestät hineinzieht. Ohne Grund soll heißen: ohne vorausgehendes Fühlen
oder Erkennen irgendeines Gegenstandes, der ihr vermittels der Akte ihres Verstandes und Willens eine
solche Tröstung herbeiführen würde.

DIE DRITTE. Mittels eines solchen Grundes kann sowohl der gute wie der böse Engel die Seele trösten; aber
zu entgegen gesetztem Ziele hin: der gute Engel zu ihrer Förderung, auf dass sie wachse und aufsteige vom
Guten zum je Besseren, und der böse Engel zum Gegenteil, und um sie zuletzt zu seiner verwerflichen
Absicht und Bosheit hinzuziehen.

DIE VIERTE. Die Art des bösen Engels, der sich in die Gestalt eines Engels des Lichtes verwandelt, ist es, mit
der frommen Seele einzutreten und mit sich selbst auszutreten; will sagen: gute und heilige Gedanken, die
einer solchen gerechten Seele angepasst sind, einzuflößen, dann aber ganz allmählich zu seinem eigenen
Ziele überzugehen, indem er die Seele in seine verdeckten Betrügereien und verkehrten Absichten hinzieht.

DIE FÜNFTE. Wir müssen sehr Acht geben auf den Verlauf der Gedanken. Sind Anfang, Mitte und Ende gut
und hingerichtet auf etwas ganz Gutes, dann ist dies ein Zeichen des guten Engels. Wenn aber einer im
Ablauf seiner Gedanken bei einer schlechten oder ablenkenden Sache endet oder bei etwas weniger Gutem
als dem, was die Seele sich vorher vorgenommen hatte zu tun, oder wenn es die Seele schwächt oder
verwirrt, indem es ihr den Frieden, die Stille und Ruhe, die sie vorher hatte, wegnimmt, so ist dies ein klares
Zeichen, dass es vom bösen Geiste herstammt, dem Feind unseres Fortschritts und ewigen Heils.

DIE SECHSTE. Wenn der Feind der menschlichen Natur an seinem Schlangenschwanz gespürt und erkannt
ward und am bösen Ende, zu dem er hinführt, so ist es der Person, die von ihm versucht wurde, nützlich,
sofort den Verlauf der guten Gedanken, die er eingab, zu betrachten: wie es anfing, und er dann nach und
nach dafür sorgte, dass sie aus der geistlichen Anmut und Freude, darin sie sich befand, herabstieg, bis er
sie schließlich zu seiner gottlosen Absicht verführte. Und sie soll das tun, um auf Grund einer solchen
erkannten und vermerkten Erfahrung sich künftig vor seinen gewohnten Betrügereien hüten zu können.

DIE SIEBTE. Bei denen, die vom Guten zum je Bessern voranschreiten, berührt der gute Engel die Seele
sanft, leicht und lind wie ein Tropfen Wassers, der in einen Schwamm eindringt. Der böse dagegen berührt
sie spitz und scharf und mit Gedröhn und Unruhe, wie wenn der Tropfen Wassers auf einen Stein fällt. Jene,
die vom Schlechten ins je Schlechtere voranschreiten, werden von den besagten Geistern in entgegen
gesetzter Weise berührt. Die Ursache davon ist, dass die Disposition der Seele diesen Engeln entweder
entgegengesetzt oder gleich ist. Denn ist sie entgegengesetzt, so treten sie mit Geräusch und Sensation und
Fühlbarkeit ein; ist sie gleich, so tritt der Geist schweigend ein wie in sein eigenes Haus bei offener Tür.

DIE ACHTE. Ist die Tröstung ohne Grund und somit ein Betrug ausgeschlossen, da sie, wie gesagt wurde,
von Gott Unserem Herrn allein herstammt, so soll doch die geistliche Person, der Gott solche Tröstung gibt,
mit großer Wachsamkeit und Sorgfalt zusehen und die eigentliche Zeit der aktuell sich vollziehenden
Tröstung von der nachfolgenden Zeit unterscheiden, in der die Seele noch glüht und von der Gunsterweisung
und dem von der vergangenen Tröstung Übriggelassenen beseligt ist. Denn nicht selten bildet sie in dieser
zweiten Zeit durch eigene Überlegungen auf Grund von Gewohnheiten und von Folgerungen aus ihren
eigenen Begriffen und Urteilen oder durch den guten oder den bösen Geist verschiedene Vorsätze und
Ansichten, die nicht unmittelbar von Gott Unserem Herrn gegeben sind, und die darum sehr genau
untersucht werden müssen, bevor man ihnen volles Zutrauen schenkt oder sie in die Tat umsetzt.

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